Tattoo ABC: Begriffe rund um das Tätowieren

Aktualisiert: 2. Apr 2019


In meinen Alltag als Tätowierer werde ich immer wieder darauf aufmerksam gemacht, mit was für einer Selbstverständlichkeit ich mit Fachbegriffen um mich werfe. Manche schauen mich dann mit grossen Augen an oder fragen nach, jedoch bleiben auch viele still, weshalb es dann zu Missverständnissen kommen kann. Viele Begriffe kommen auch in der Tattoo Branche aus dem englischen Sprachgebrauch. Hier möchte ich euch einige der meist gebrauchten Begriffe erklären und versuchen zu übersetzen.

Full Sleeve

Blackwork

Blackwork bezeichnet eine Stilrichtung in welcher ausschließlich mit schwarzer Farbe gearbeitet wird. Dieser Begriff hat nichts mit Steuerhinterziehung zu tun .


Blaupause (oder Matritzenpapier)

Die Blaupause ist das Blaupapier mit dem das Stencil angefertigt wird. Es handelt sich um ein Durchschlagpapier, welches mit Hilfe spezieller Flüssigkeiten die Tattoovorlage auf die Haut transportiert.


Coil

Coil heißt übersetzt Spule und bezeichnet eine Spulenmaschine. Eine Spulenmaschine ist eine Tätowiermaschine, die mit zwei Kupferspulen einen elektromagnetischen Stahlträger bewegt, auf dem die Tattoonadel sitzt, sodass diese sich vor und zurück bewegen kann.


Cover-Up

Als Cover-Up bezeichnet man eine neue Tätowierung, die eine alte vollständig überdeckt. Wer sein Tattoo nicht mehr mag, fragt seinen Tätowierer nach einem „Cover“ oder „Cover-Up“.


Dotwork

Beim Dotwork besteht die Arbeit streng genommen nur aus Punkten. Dotworkkünstler erstellen ganze Bilder aus winzigen Punkten, die bedingt durch unterschiedliche Dichten und Abstände Bilder mit außergewöhnlicher Tiefe und Präzision erzeugen. Ein Dotwork kann aber auch innerhalb eines traditionellen Tattoos Anwendung finden, wenn es eine Fläche anstelle von Schattierungen ein Meer aus kleinen Punkten bekommt.


Flash

Flash und Flashwork sind uralte Begriffe der Tätowierkunst. Sie bezeichnen die Tattoovorlagen. Früher gab es die sogenannten Flashkünstler, die häufig selbst keine Tätowierer waren, aber ihren Lebensunterhalt mit Tattoovorlagen verdienten. Viele Tätowierer waren des Zeichnens nicht mächtig und kauften ihre Vorlagen bei talentierten Illustratoren, die mit ihren Mappen in die Studios kamen und so auch die Tattootrends beeinflussten. Viele Tätowierer gehen bis heute der alten Tradition nach und fertigen und verkaufen Flashbücher an andere Tattookünstler.


Flat

Eine Flat ist eine Nadel, bei der die Einzelnadeln nur in einer einzigen Reihe angeordnet sind. Die Flat eignet sich zum sanften Schattieren. Nur wenige Künstler nutzen sie auch zum Füllen von Flächen.


Freihand-Tätowierung / Freehand-Piece

Manchmal hört man Kunden ehrfurchtsvoll sagen: „Das hat der Tätowierer bei meiner Freundin Freihand gestochen!“ Damit ist jedoch keineswegs gemeint, dass der Tätowierer direkt mit der Maschine auf die Haut losgeht. Ein Freihand-Tattoo ist eine Tätowierung, welche zuvor nicht mit einem Stencil, sondern mit Hautstiften auf die Kundenhaut aufgezeichnet wurde. Der Begriff ist also etwas irreführend.


Guestspot

Hat ein Tätowierer einen Guestspot in einem Tattoostudio heißt das, dass er dort für einen begrenzten Zeitraum als Gasttätowierer tätig ist.


Handpoking

Der Begriff Handpoking bezeichnet das Einbringen von Farbe in die Haut ohne elektrische Maschinen. Der Tätowierer pickt selber mit der Nadel kleine Punkte in die Haut, welche zusammen ein ganzes Bild ergeben.


Ink

Ink ist das englische Wort für Tusche und bezeichnet im Englischen auch die Tätowierfarbe. Auf Instagram findet man unter den Hashtags #ink, sowie #inked hauptsächlich Tattoo und Bilder von tätowierten Menschen.


Liner

Ein Liner kann sowohl als Bezeichnung für eine Tätowiermaschine, die für Linien gedacht ist eingesetzt werden, als auch als Bezeichnung für die Tattoonadeln. Eine 9er Liner bezeichnet demnach eine Nadel, die aus neun Einzelnadeln besteht und zum Linienziehen geeignet ist.


Linework

Linework ist ein anderer Begriff für Outlines. Der Begriff ist jedoch etwas präziser und wird auch für Tätowierungen verwendet, die ausschließlich aus Linien beziehen. der Begriff kommt ebenfalls zum Einsatz, wenn die Linien explizit zur Sprache gebracht werden wollen. „Dieser Tattookünstler beeindruckt durch sein außergewöhnliches Linework.“


Magnum

Eine Magnum ist eine Nadel, bei der mehrere Einzelnadeln nebeneinander und übereinander angeordnet sind. Magnums eignen sich sowohl zum Schattieren, als auch zum satten Füllen von Flächen.


Maori-Tätowierungen

Die Maori (sprich: Maui) sind ein Urvolk aus Neuseeland, dessen Stammes-Tattoomotive in unsere westliche Welt transportiert und nachgeahmt wurden. Maori-Tätowierungen sind bedeutungsintensive Motive, die sich zusammenfügen und ein ausdrucksstarkes Gesamtbild ergeben. Heute benutzen viele den Begriff ohne Verstand und ohne das Wissen über die Korrekte Aussprache.


Outlines

Outlines heißt übersetzt „Außenlinie“. Beim Tätowieren beschreibt der Begriff jedoch nicht nur die Linien, die außen um das Tattoo laufen, sondern alle Linien, die im Tattoo vorkommen. Beim traditionellen Tätowieren sticht der Tätowierer zuerst die Außenlinien, anschließend die Schattierungen und wenn gewünscht, kommt ganz zum Schluss noch Farbe ins Spiel.


Rotary

Eine Rotarymaschine ist eine Tätowiermaschine der jüngeren Generation. Bei dieser Konstruktion wird die Nadel über eine Kurbelwelle bewegt, die von einem winzigen Motor ebenfalls durch Strom angetrieben wird.


Shading(s), Shader

Shadings, übersetzt Schatten, meint die meist schwarzen und kontrastierenden Flächen einer Tätowierung. Beim traditionellen Tätowieren wurden und werden Schatten nicht selten entgegen einer logischen Richtung gesetzt. Das heißt, schwarze Schattenfarbe kommt dort zum Einsatz, wo sie gut aussieht und dem Bild eine gute Kontrastierung gibt – entgegen einer linearen, fiktiven Lichtquelle. Shading als Verb bezeichnet demzufolge den Prozess des Tätowierens der schwarzen Flächen. Ein Shader ist eine Tätowiermaschine, die speziell für den Prozess des Schattierens eingestellt wurde.


Silberhaut

Als Silberhaut bezeichnen Tätowierer die fast transparente, glänzende Hautschicht, die sich nach einigen Tagen, wenn die Kruste abgefallen ist, auf einer neuen Tätowierung zeigt.


Stencil

Das Stencil bezeichnet den Durchschlag der Vorlage, der mit einem Blaupapier gefertigt wurde, um ihn vor dem Stechen auf die Kundenhaut auszubringen. Das Stencil bezeichnet sowohl das Trägerpapier, mit dem das Motiv auf die Haut übertragen wird, als auch das Bild, welches eben jenes auf der Kundenhaut hinterlässt.


Tribal

… ein Begriff, der inzwischen fast abwertend genutzt wird, um Tätowierungen zu bezeichnen, die vorzugsweise in den 90er Jahren gestochen wurden. Es handelt sich um freie Formen, die den Stammes-Tätowierungen der Urvölker unserer Welt entlehnt wurden.


Walk-In

Ein Walk-In bezeichnet einen Zeitraum, in dem interessierte Tattookunden ohne vorherige Terminvereinbarung in das Tattoostudio kommen können, um sich tätowieren oder beraten zu lassen. Manche Tattoostudios arbeiten nur als Walk-In-Shop, dort können keine Termine im Voraus gemacht werden. Die meisten Studios sind lange ausgebucht und bieten mit einem Walk-In-Tag ihren Kunden die Möglichkeit, ein spontanes Tattoo ohne lange Wartezeiten zu bekommen.

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